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Marcel Köhler

Charging Bull New York: Wahrzeichen der Wall Street

Der Charging Bull am Bowling Green ist eine der faszinierendsten Attraktionen New Yorks – und das rund um die Uhr. Wer das Monument zu vier verschiedenen Tageszeiten filmt, stellt schnell fest, dass der Bronzekoloss schlichtweg niemals alleine ist.

Doch hinter den endlosen Touristenmassen steckt eine spektakuläre Geschichte, die als krimineller Kunst-Coup begann.

Bulle der Wall Street: Geboren aus der Krise von 1987

Als im Oktober 1987 der Börsenkrach am „Schwarzen Montag“ die Finanzwelt erschütterte, lag die Stimmung in Manhattan am Boden. Der italienisch-amerikanische Bildhauer Arturo Di Modica, der Jahre zuvor mittellos nach New York gekommen war, wollte der Bevölkerung in der Krise ein Mutmach-Geschenk machen.

Er investierte rund zweieinhalb Jahre Arbeit und 360.000 US-Dollar aus eigener Tasche, um ein 3,2 Tonnen schweres Symbol für Durchhaltevermögen, Stärke und wirtschaftlichen Aufschwung zu schaffen.

Es bringt angeblich Glück die Bullenhoden zu berühren.

Fünf Minuten Nacht-und-Nebel-Aktion

Da eine offizielle Genehmigung aussichtslos war, wurde die Aufstellung am 15. Dezember 1989 zur echten Guerilla-Aktion. Di Modica kundschaftete tagelang die Polizeirouten vor der New Yorker Börse aus. Mitten in der Nacht lieferte ein Tieflader die Statue ab.

Zwar stand dort überraschend ein riesiger Weihnachtsbaum, doch der Bulle wurde kurzerhand direkt darunter platziert. Der gesamte Abladevorgang dauerte knapp fünf Minuten.

Vom Abschlepphof zum Dauerwohnsitz

Die Börsenleitung reagierte verärgert und ließ die nicht genehmigte Bronzestatue noch am selben Tag auf einen Abschlepphof verfrachten. Doch das Medienecho und die Entrüstung der New Yorker waren so groß, dass die Stadtverwaltung einlenkte.

Bereits fünf Tage später fand der Bulle am nahegelegenen Bowling Green seinen neuen Platz. Ursprünglich nur als temporäre Leihgabe gedacht, ist er dort seit über drei Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken.

Charging Bull: Magnet für Glückssucher rund um die Uhr

Auch Jahrzehnte später zieht der Bulle ununterbrochen Menschen an. Neben seiner historischen Symbolik sorgt ein hartnäckiger Aberglaube für den Dauerandrang: Wer die Hörner oder die Genitalien des Stiers berührt, dem wimmeln angeblich bald die Geldscheine im Portemonnaie. Ob Tag oder Nacht – dieser Ort schläft tatsächlich nie.

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Quellen und Verweise: